Hier endlich der versprochene Bericht über die Rennradtour: 14 Tage Deutschlanddurchquerung von Baden-Württemberg bis Flensburg, über 1500 km vom Schwabenländle bis zur dänischen Grenze, bewaffnet mit einem Navi, das ich erst wenige Wochen zuvor gekauft hatte, wobei die Planung immer tageweise direkt am Gerät erfolgte.
Ursprünglich hatte ich vorgehabt, die Strecke auf einem ziemlich direkten Weg zu fahren, was größtenteils Landstraßen bedeutet hätte. Durch glückliche Umstände (zwei Wochen Urlaub statt einer und meist gutes Wetter) konnte ich es mir jedoch leisten, Umwege zu fahren anstatt den schnellsten Weg zu wählen, und durch die OSM, die sich als weitaus tauglicher erwies als ich vorher vermutet hatte (s.u.), fuhr ich viele kleine Wege, was das Vorankommen verzögerte, jedoch deutlich weniger Autoverkehr bedeutete. Die Tour bekam dadurch einen ganz anderen Charakter, sie wurde mehr eine Mischung aus Rennradtour und Radreise. Beim Lesen bitte ich dies zu beachten, da sich einige Aspekte dieses Berichts nicht auf Touren anwenden lassen, bei denen es darauf ankommt, möglichst schnell möglichst viele Kilometer zu fahren.
Die Ausrüstung
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Navi: Garmin eTrex Vista HCx, Firmware 3.20/2.90.
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Halterung: Original-Garmin-Rucksackhalterung, am Vorbau befestigt.
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Akkus: 2x Eneloop, jede Nacht frisch aufgeladen.
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Ladegerät: Sanyo NC-MDR02V (für 2x AA/AAA, klein, leicht und günstig, Einzelschachtladung, genial für unterwegs!)
- Karten (elektronisch
Gleich 4 Karten auf 2 µSD-Karten:
[INDENT]
- CN 2010 D/A/CH (Original auf µSD)
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3 Varianten der Openstreetmap, mittels GmapTool zu einer gmapsupp.img zusammengebaut:
- OpenMTBMap
- "Radkarte"
- "All In One"
[/INDENT]
- Karten (Papier): Aral-Autoatlas 1:400.000, nur die relevanten Seiten herausgetrennt und mitgenommen.
Meine Vorgehensweise
Die Planung des nächsten Tages erfolgte immer am Abend zuvor, zunächst grob anhand der Papierkarte. Oft setzte ich mir ein Ziel, das ich an diesem Tag mindestens erreichen wollte. Manchmal war dieses nicht die ganze Tagesetappe entfernt, dann plante ich den Rest bei einer Tasse Tee unterwegs. Anhand dieser Grobplanung suchte ich dann auf dem Vista nach einer geeigneten Strecke, da ich ja sowieso ein paar Zwischenpunkte setzen musste, weil sonst das Routing nicht funktionierte. Außerdem wollte ich mich nicht ausschließlich auf das Autorouting des Gerätes verlassen, sondern schon größtenteils selbst bestimmen, wo ich fahren wollte.
Auf dem Vista war natürlich immer nur eine der drei OSMs aktiv. Den Höhenlinien-Layer der All-In-One ließ ich allerdings ständig eingeschaltet, die Linien waren insbesondere in Süddeutschland bei der Planung richtig nützlich, um abschätzen zu können, ob eine Strecke nicht über einen völlig sinnlosen Hügel führt. Deren Genauigkeit war überraschend gut und stimmte in der Regel auf +/10 Meter mit der Angabe des Höhenmessers überein.
Meist verwendete ich die OpenMTBMap im Modus "Taxi", gelegentlich testweise die "Radkarte". Wenn ich zu Fuß in Innenstädten unterwegs war, schaltete ich gerne auf die All-In-One um, deren Darstellung ich am übersichtlichsten finde. So waren alle drei OSM-Karten nützlich (dazu unten mehr). Die City Navigator habe ich kein einziges Mal benötigt.
Die Eingabe direkt am Gerät machte selbst mir Grobmotoriker keine Probleme. Was allerdings Zeit kostete, war zum einen die Tatsache, dass es in manchen Regionen eben so viele kleine Sträßchen gab, dass ich mich entscheiden musste, wie ich fahren wollte, und zum anderen, dass das Gerät je nach Einstellung deutlich anders routete ("Kürzere Distanz"/"Kürzere Zeit" bzw. "Schnellere Berechnung"/"Bessere Route"/"Beste Route"; "Schnellste Berechnung" war oft ganz großer Mist, daher habe ich dies bald nicht mehr versucht). Die ständige Ausprobiererei war manchmal nervig, da das Berechnen auf dem Gerät immer wieder doch ein paar Minuten benötigt hat. Im Schnitt brauchte ich jeden Abend vielleicht eine Stunde, um die nächste Tagesetappe hinzukriegen (oft nutzte ich dazu teilweise die Zeit, um auf das Essen zu warten...), doch sagte ich mir auch öfters mal: "Lass ihn doch Mist routen, ich fahre an der Stelle X einfach anders, spätestens dann wird er neu berechnen und merken, was ich möchte". Das funktionierte erstaunlich gut, so dass ich immer mehr dazu überging, nicht die ganze Strecke bis ins Detail zu planen, sondern nur wichtige Zwischenwegpunkte anzugeben. Meist kam ich mit 6-7 Wegpunkten pro Tag aus.
Die Zwischenwegpunkte sinnvoll zu setzen ist eine Kunst, der ich mich erst im Laufe der Tour angenähert habe. Zu viele davon rächen sich spätestens dann, wenn man doch mal unterwegs spontan entscheidet, eine andere Strecke zu nehmen und einen das Gerät dann mit "Bitte wenden"-Orgien auf einen Wegpunkt, den man dann nicht mehr anfahren möchte, zwingen will. Gelegentlich habe ich in solchen Fällen unterwegs den überflüssig gewordenen Wegpunkt und alle vorherigen gelöscht und neu routen lassen, das ging schnell und funktionierte meistens gut. Mit der Zeit bekam ich ein ganz gutes Gespür für das Routing, und oft nahm das Navi über 10-20 km exakt denselben Weg, den ich auch im Auge hatte.
Die Kilometerangaben beim Routing habe ich bei der Planung gerne benutzt; die angezeigten Gesamtkilometer waren jeweils etwas zu niedrig angesetzt, und kleine Schleifen bei der Fahrt (hier zum Einkaufen ins Dorf hinein, dort zum Pinkeln in den Wald...) taten ein Übriges, doch der Fehler betrug meist nur ca. 3-5%, zur Abschätzung der Gesamtlänge also allemal tauglich.
Große Städte habe ich mit wenigen Ausnahmen vermieden, doch auch schon bei kleineren Städten war das Navi genial: So leicht bin ich noch nie hinein- und wieder hinausgekommen; wenn ich ins Stadtzentrum wollte, habe ich mir einen markanten Punkt (z.B. den Marktplatz) als Wegpunkt gesetzt und mich hinrouten lassen. Die Strecke war vielleicht nicht 100% perfekt, aber zeitlich wohl besser als alles, was ich manuell hätte hinkriegen können, vom ständigen Kartegucken ohne Navi ganz zu schweigen. Für das Herausfahren aus Städten galt Ähnliches, auch hier habe ich mir gerne einen günstigen Punkt ein paar km außerhalb des Zentrums gesetzt und mich einfach hinführen lassen. Schneller war ich nie aus Städten draußen, und das ohne großes Herumgeeiere und Verfahren.
Am Ende jeder Planung bin ich die ganze Strecke noch einmal am Gerät komplett "abgefahren", um gezielt nach Schwächen im Routing zu suchen. Insbesondere bei Ortsdurchfahrten, aber auch auf freier Strecke neigte das Routing dazu, eine bewusst ausgewählte Hauptstraße zu verlassen und für kurze Passagen auf Wohnstraßen oder Nebenstrecken auszuweichen. Bei nur wenigen 100 Metern ist der Nutzen begrenzt, insbesondere dann, wenn man dazu links abbiegen und später wieder ebenfalls links auf die Hauptstraße einbiegen muss, oder man einen Hang in ein Wohngebiet hochgejagt wird, den man 300 Meter später wieder (mit Rechts-Vor-Links-Einmündungen) bremsend herunterrollen darf. Diese Stellen habe ich mir entweder gemerkt oder auch schon mal mit einem Zwischenwegpunkt "bereinigt".
Einstellungen am Gerät
Aus den vielfältigen Einstellungsmöglichkeiten erwähne ich hier nur diejenigen, die sich für mich als die nützlichsten herausstellten. Natürlich ist hier vieles auch Geschmackssache...
System - Annäherungsalarme: An
Habe die Annäherungsalarme nur testweise benutzt; wenn das Ding an einer Stelle partout Mist geroutet hat, habe ich manchmal aufgegeben und einen Annäherungsalarm gesetzt, um mich unterwegs daran zu erinnern, hier anders zu fahren als das Routing vorgibt. War nützlich, aber nicht essentiell.
Anzeige - Anzeigemodus: Tag
Bei "Automatisch" stellt sich die Anzeige ab Sonnenuntergang auf "Nacht" um, was ich als sehr lästig bei der abendlichen Planung empfand. Dort wollte ich dieselbe Ansicht haben wie tagsüber, zur Not eben mit Hintergrundbeleuchtung.
Anzeige - Beleuchtungsdauer: Bleibt an
Da ich sowieso jede Nacht Zugang zu einer Steckdose hatte und das Gerät auch mit eingeschalteter Beleuchtung den ganzen Tag durchhielt, musste ich nicht am Akkustrom sparen. Ich fuhr meistens mit abgeschalteter Beleuchtung, aber manchmal war sie eben doch sehr nützlich, und da wollte ich nicht, dass sie sich automatisch abschaltet.
Karte - Allgemein - Ausrichtung: Fahrtrichtung (unterwegs)/Genordet (zur Planung)
Den Tipp entnahm ich einem Forumsbeitrag, und er erwies sich als Volltreffer! Mit "Fahrtrichtung" bin ich sofort zurechtgekommen, obwohl ich fast 30 Jahre lang nach Papierkarten gefahren bin und ich es daher gewöhnt war, sie nicht in Fahrtrichtung vorzufinden. Das Umschalten zwischen beiden Modi ist zwar lästig, und ich habe es auch gerne am Ende der Planung vergessen, aber während der Planung ist es sehr nervig, wenn Südwest oben ist und die Karte sich teilweise sogar dreht. Unterwegs stört bei "Genordet" vor allem der kleine Kartenausschnitt in Fahrtrichtung, wenn man in Ost-West-Richtung oder gen Süden fährt.
Karte - Allgemein - Unter: 1,2 km
Habe da mit mehreren Werten experimentiert; ab ca. 1,2 km empfand ich die Anzeige für die Fahrt als kaum mehr brauchbar, also stellte ich diesen Wert ein, um beim Scrollen über längere Distanzen schneller zum Ziel zu gelangen - hier ist es eben günstiger, wenn Norden oben ist.
Karte - Allgemein - Auto-Zoom: Aus
Kurz mal zum Testen eingeschaltet und nach einer halben Stunde wieder aus, weil es mir bald auf den Wecker ging. Der Zoomwert ist offenbar von der Geschwindigkeit abhängig und war für meinen Geschmack jedesmal viel zu hoch, insbesondere nach Abfahrten brauchte er zu lange, um wieder auf einen niedrigeren Wert zurückzuschalten. (Zum Zoom siehe unten.)
Karte - Allgemein - Auf Str zeigen: Aus
Anfangs eingeschaltet gelassen, bis ich mich zweimal damit leicht verfahren habe, danach wieder abgeschaltet (siehe weiter unten bei der Beschreibung meiner Erfahrungen mit der OSM).
Routing - Folge Straßen: Bestätigen
Mit dieser Einstellung kann man beim Start des Routings jeweils zwischen "Kürzere Zeit" und "Kürzere Strecke" auswählen und muss dies nicht immer über das Einstellungsmenü umstellen. Da mal die eine, mal die andere Einstellung bessere Resultate brachte, war diese Abfrage sehr nützlich.
Routing - Rechenmethode:
"Schnellste Berechnung" ergab oft ganz großen Mist, habe ich daher bald gar nicht mehr erst versucht. Die anderen drei Einstellungen musste ich leider oft durchprobieren. Je mehr Zwischenwegpunkte, desto schneller geht die Berechnung auch in den "besseren" Modi, zu viele davon haben jedoch auch Nachteile (s.o.)
Verkehrsmittel:
Diese Einstellung hängt stark von der verwendeten Karte ab:
OpenMTBMap: "Taxi" (damit sind Schotterstraßen ausgeschlossen)
Radkarte: "Auto/Motorrad" (laut Ersteller die einzige sinnvolle Einstellung bei dieser Karte)
All-In-One: "Fahrrad".
Vermeidungen:
Generell "Ungeteerte Straßen", unabhängig von der gerade aktiven Karte. Keine sonstigen Vermeidungen!
Zoom-Einstellung:
Hier hat vermutlich jeder seine eigenen Vorlieben. Ich empfand außerhalb von Ortschaften meistens 120 m als besten Kompromiss aus Detailgenauigkeit und Übersicht. Bei längeren einsamen Sträßchen ohne viele Abbiegungen habe ich auch schon mal Werte bis 500m verwendet. Sehr nützlich ist es, bei Einfahrt in Orte mit einigen Abbiegevorgängen (typischerweise ab Kleinstädten) recht bald auf 80 m herunterzugehen. Zu Fuß in Innenstädten, Fußgängerzonen usw. habe ich oft auf 50 m oder gar 30 m reduziert, um mehr Details zu sehen.
OpenStreetMap (allgemein)
Ich war von der OSM wirklich positiv überrascht! Vorher dachte ich "jetzt gibt es schon OSM-Fahrradkarten, nehmen wir sie mal mit, viel werden sie nicht taugen, da die OSM in der Pampa sicherlich noch nicht so weit gediehen ist, aber mal sehen, wie weit ich damit komme" und nahm daher die CN 2010 zusätzlich mit. Letztlich habe ich die CN kein einziges Mal verwendet!
In manchen Regionen war die OSM tatsächlich noch nicht so weit wie die CN; manche Örtchen existieren in der OSM nur als ein Punkt ohne weitere Struktur, so dass selbst die Generalkarte mehr zeigte, aber das war auf meiner Tour nicht so sehr tragisch, da ich in den Dörfern in aller Regel ja nicht in irgendwelche Wohnstraßen hineinfahren wollte. Und viele Dörfer sind auch in der OSM schon sehr detailliert erfasst.
Bei kleinsten Sträßchen (Landwirtschaftswegen, touristischen Radwegen abseits von Autostraßen usw.) habe ich allerdings schnell gelernt, unterwegs aufzupassen: Manchmal ist ein recht willkürlicher Teil davon erfasst, da kann es in der Natur Abzweige geben, die auf der Karte nicht vorhanden sind. Verlaufen diese auch noch in einem spitzen Winkel, kann man auch mal auf dem falschen landen, insbesondere, wenn "Auf Straße zeigen" eingeschaltet ist und der Pfeil auf den gewünschten Weg zeigt, obwohl man sich dort nicht mehr befindet. (Aus diesem Grund habe ich "Auf Straße zeigen" unterwegs irgendwann abgeschaltet, das genannte Verhalten ist jedoch ein Extremfall und kam davor genau 2x vor.)
Einen großen Vorteil hat die CN jedoch: Die Suche nach Adressen funktioniert einfach über den entsprechende Menüpunkt im "Finde"-Menü, ohne Workarounds wie "Alle Straßen als POIs eintragen". Letzteres wird von einem der OSM-Ableger verwendet und reichte in der Praxis dann doch gerade noch aus, so dass ich die CN auch in diesem Anwendungsfall draußen lassen konnte, doch spätestens in Großstädten wäre damit Schluss gewesen. (Die Adresssuche benötigte ich nur bei der Suche nach Übernachtungsstätten. Manchmal telefonierte ich von der Touristeninformation eines Ortes einige Gasthöfe oder Pensionen durch und ließ mich anschließend per "Goto"-Navigation zu der gewünschten Straße leiten.)
OpenMTBMap vs. "Radkarte" vs. "All-In-One"
(Hinweis: Die Velomap gab es zu diesem Zeitpunkt noch nicht; sie wurde just während meiner Tour "erfunden". Sie ist für Rennradfahrer noch besser geeignet als die OpenMTBMap!)
Alle drei Karten haben ihre Vorzüge und Nachteile, und es hat sich durchaus bewährt, sie alle mitzunehmen. Das beste Routing bekam die OpenMTBMap hin, wobei bei mir "Kürzere Strecke" oft sinnvoller geroutet hat als "Kürzere Zeit". Die "Radkarte" hatte zudem einen stärkeren Hang zu Hauptstraßen und nutzte viel häufiger Bundesstraßen, auch wenn es gute Alternativen gab. Eventuell kann dies jedoch für Schnell- und Langstreckenrennradler die bessere Lösung sein.
Doch auch die "Radkarte" hatte ihre Vorzüge: Sie konnte besser mit Kreisverkehren umgehen (die OpenMTBMap machte daraus zwei Abbiegevorgänge) und sie zeigte touristische Radwege besser an, insbesondere, wenn es mehrere Bezeichnungen für denselben Weg gibt. Beispielsweise wird der Main-Radweg u.a. als solcher bezeichnet, während die OpenMTBMap ihn als "Radfernweg D9" (o.ä.) anzeigt. Zudem zeigt die "Radkarte" in der Abbiegeliste "Asphalt" bzw. "Schotter" an, was bei meiner Einstellung der OpenMTBMap jedoch keinen Nachteil für diese bedeutete, da ich ja Schotterstraßen über den Modus "Taxi" generell ausgeschlossen hatte. Auch finde ich die Darstellung der "Radkarte" etwas übersichtlicher, doch das ist wahrscheinlich Geschmackssache; ich bin auch mit derjenigen der OpenMTBMap gut zurechtgekommen.
Die Abbiegehinweise sorgten bei mir anfangs für so manche Heiterkeit. Wenn da "Links auf Radweg" steht, kann das durchaus bedeuten: "Der Rechtskurve der Kreisstraße, auf der ich mich gerade befinde, folgen". Lustig waren einmal auch mindestens 10 aufeinanderfolgende Hinweise "Links auf Rampe" bzw. "Rechts auf Rampe". (Welche "Rampe" damit gemeint war, hat sich mir nicht erschlossen...). Generell gilt: Wenn es piept, auf die Pfeile auf dem Display achten und den Text maximal als Hilfestellung nehmen. Wenn sich Pfeile und Text widersprechen, generell den Pfeilen folgen. Insbesondere bei zwei kurz aufeinanderfolgenden Abbiegevorgängen wird im Text gerne der zweite angezeigt, was bei Links-Rechts-Kombinationen auf den falschen Weg führt. Auf dem Display sind solche Situationen gut sichtbar. Und Obacht bei Kreisverkehren: Die OpenMTBMap zeigt dort generell "Rechts abbiegen" an, was nicht bedeutet, dass man den ersten Abzweig im Kreisel nehmen muss. Auch hier bringt ein Blick auf den Pfeil Klarheit.
(Ergänzung: Das Problem mit den Kreisverkehren sowie die "Rampe"-Anzeige waren Bugs in der OpenMTBMap, die mittlerweile gefixt sind. Siehe Beiträge weiter unten.)
Fehler/Merkwürdigkeiten
Auch die gab es, sowohl beim Gerät als auch in der OSM-Karte. Von einer Ausnahme abgesehen, war keiner dieser Fehler richtig schwerwiegend, doch dieses eine Mal war heftig: Ich hatte mich auf einen schönen Weg durch einen Wald südlich von Lüneburg gefreut, doch durch einen kapitalen Auszeichnungsfehler in der OSM gelangte ich schließlich auf einen üblen Sandweg, musste das Rad schieben und teilweise sogar tragen, um endlich auf einen Querweg zu geraten, der jedoch ebenfalls falsch ausgezeichnet und für Rennräder absolut unfahrbar war... irgendwann war ich da, wo ich eine Stunde zuvor schon einmal stand, und suchte dann frustriert die Bundesstraße, die mich nach Lüneburg brachte. (Vermutlich hat da jemand das ganze Waldgebiet gemappt und dabei falsch ausgezeichnet.) Ansonsten waren es insgesamt vielleicht 3-5 km Schotterstraße, die ich durch falsche Auszeichnung gefahren bin, und ein weiterer km Schotter, den ich bewusst in Kauf nahm - nicht schlecht für eine 1500 km-Tour ausschließlich mit OSM-Derivaten! Ich hatte ursprünglich damit gerechnet, irgendwann die OSM wegzuschmeißen und doch auf die CN zu wechseln, aber letztere fuhr ich tatsächlich die ganze Zeit nur spazieren.
(Ergänzung: Der genannte Kartenfehler, durch den ich bei Lüneburg auf die schlechte Piste im Wald geroutet wurde, ist schon Anfang Juni 2010 in der OSM behoben worden. Erstaunlich, wie schnell das ging!)
Sehr unterschiedlich verhält sich das Vista, wenn man mal von der errechneten Route abweicht. Wenn es genügend Alternativen gibt, berechnet es in der Regel eine neue Route. Wenn nicht, wird oft ein "Bitte wenden" angezeigt. Manchmal geschieht jedoch auch Seltsames: Es wird neu berechnet, der lila Wurm zeigt noch ein paar 100 Meter in Fahrtrichtung und hört dann auf. Erreicht man diesen Punkt, erscheint "Bitte wenden". Fährt man dennoch weiter, geht dasselbe Spiel von vorne los: Einige 100 Meter Routing in die Fahrtrichtung, dann "Bitte wenden". Das sieht doch nach einem Bug aus, denn wenn das Ding schon meint, man wäre völlig verkehrt, dann wäre es doch immer sinnvoller, sofort zu wenden, anstatt noch eine Strecke in die "falsche" Richtung zu routen.
An Gerätefehlern ist mir aufgefallen:
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Am Anfang der Tour ging das Gerät sporadisch ganz plötzlich aus. Dies geschah vielleicht 5-6x in der ersten Woche, danach nie wieder. Es scheint nichts mit den Batteriekontakten und holprigen Straßen zu tun zu haben; die Akkus sitzen sehr stramm und zwei Mal passierte es, während ich das Gerät ganz ruhig in der Hand hielt. Nach Wiedereinschalten wurde das Routing jeweils wiederaufgenommen und das Ding funktionierte weiter, als wäre nichts geschehen.
- Vielleicht 3x war plötzlich der Kartenzeiger weg! Dies passierte ausschließlich am Abend, als ich zur Planung immer mal wieder exzessiv herumgezoomt und -gescrollt habe. Alle anderen Funktionen waren noch in Ordnung, nur der weiße Pfeil war nicht wieder zum Erscheinen zu bewegen. Aus- und Einschalten half jedes Mal.
- Gelegentlich begann das Gerät Müll zu routen. Der lila Wurm zeigte in diesen Fällen plötzlich nur noch Luftlinien an, im Text erschienen 50 km Autobahnstrecke (die mit der Anzeige nicht übereinstimmte) und andere Merkwürdigkeiten. Ich hatte zunächst den Verdacht, dass dieser Effekt vorwiegend dann auftrat, wenn ich die Route über Wegpunkte mit einer Karte erstellt, dann auf eine andere Karte umgeschaltet habe und das Gerät neu routen ließ; reproduzieren ließ es sich jedoch nicht. Auch hier machte Aus- und Einschalten dem Spuk ein Ende, danach funktionierte das Routing wieder, und dies passierte ebenfalls nie während der Fahrt, nur bei heftigem abendlichem Ausprobieren.
(Ergänzung: Alle drei Punkte habe ich später auch mit der CN beobachtet, es handelt sich also nicht um Probleme einer der OSM-Karten.)
Zusammenfassung
Das Navi hat sich bewährt, und auch die Planung der Tagesetappen direkt am Gerät war trotz des kleinen Displays weniger frustrierend als erwartet.
Auch die Rucksackhalterung funktionierte gut. Ich habe um den Vorbau (12 cm) etwas "Teppichbremse" aus dem Baumarkt gewickelt, und darauf die Rucksackhalterung stramm befestigt. Dies hat verhindert, dass sich die Halterung immer wieder etwas um den Vorbau gedreht hat, insbesondere bei der Bedienung des Gerätes während der Fahrt. Das Navi ist kein einziges Mal auch nur am Rande der Gefahr gewesen, herunterzufallen, dennoch habe ich es zusätzlich mit der Handschlaufe am Lenker befestigt, damit es im Falle eines Abflugs nicht auf dem Boden knallt. Das oft erwähnte Gewackel während der Fahrt auf unebenen Straßen war in der Praxis keine Beeinträchtigung, da ich auf solchen Passagen sowieso lieber auf die Straße geschaut habe.
Die Akkus hielten ganz locker den ganzen Tag durch, selbst wenn ich die Hintergrundbeleuchtung längere Zeit eingeschaltet hatte. Nach der abendlichen Planung des nächsten Tages kamen die Akkus jeweils an die Steckdose, so dass ich jeden Tag mit vollen Akkus begann.
Die OSM war für diese Tour mehr als nur brauchbar, insbesondere in ihrem OpenMTBMap-Ableger. (Heute würde ich auf alle Fälle noch die Velomap mitnehmen, doch die gab es vor meiner Tour noch nicht.) Von den 1500 km bin ich bestimmt die Hälfte auf kleinsten Sträßchen und Landwirtschaftswegen nahezu autofrei gefahren, was weder mit der CN noch mit der Generalkarte (1:200.000) so möglich gewesen wäre. Die (wenigen) Probleme waren entweder prinzipiell nicht lösbar oder auf Kartenfehler zurückzuführen. Ein unschätzbarer Vorteil der OSM für Rennradfahrer ist die Information, ob ein Weg asphaltiert ist oder nicht; von wenigen Kartenfehlern abgesehen, ist diese Information sehr zuverlässig und übertrifft hier wohl jede andere Karte, ob auf Papier oder elektronisch.
Die Papierkarten wollte ich dennoch nicht missen, die 50 Gramm waren gut angelegt. Es ist einfach viel übersichtlicher, in einer unbekannten Gegend die grobe Route festzulegen, wenn man eine oder zwei Seiten im A4-Format vor sich liegen hat, als auf dem kleinen Navi-Display. Der Maßstab von 1:400.000 (beidseitig bedruckt, dünnes Papier) erwies sich dabei als guter Kompromiss zwischen Papiergröße (und damit Packmaß/Gewicht) und Detailgenauigkeit.
Das Gesamtpaket "Navi + OSM-Karten + Papierkarte" war somit der Alternative ohne Navi in allen Punkten überlegen. Gewicht und Platzverbrauch waren sowieso günstiger, die Zeit, die ich abends in die Planung direkt am Gerät hineinsteckte, machte ich durch viele wegfallende nervige Stopps zum Anhalten und Kartegucken wieder wett, und verfahren habe ich mich so gut wie nie. Nicht zu unterschätzen waren auch die Stadtpläne, die schon bei Kleinstädten erstaunlich vollständig sind und bei der Suche nach Übernachtungsmöglichkeiten etc. viel Zeit gespart haben. Bei längeren Pausen zog ich dennoch gerne die Papierkarte heraus, für einen groben Überblick, wo ich gerade bin und evtl. die Planung der Reststrecke des Tages.
So, das war's vorläufig. Weiter unten schreibe ich noch einen Extra-Beitrag zu einem der Hauptprobleme beim Rennradrouting mittels OSM, für das es (derzeit) keine optimale Lösung gibt und auf das irgendwann wohl jeder Rennradfahrer stößt. (Ich nenne es mal das "Grade 1-Problem", weil es stark mit Straßen zu tun hat, die in der OSM mit "Grade 1" getaggt sind.)
Selbstverständlich dürfen weitere Fragen gestellt werden, ich werde versuchen, sie zu beantworten... und natürlich bin ich auch an Erfahrungsaustausch mit (Renn-) Radfahrern interessiert, die Ähnliches vorhaben oder schon realisiert haben.